Donnerstag, 25. Februar 2016

Höschenalarm


Richtig, wie die Überschrift schon verrät, herrscht bei Chilli im Haus und auf der Arbeit zurzeit gerade Höschenalarm. *grins*

Die meisten Besitzer und Hundefreunde kennen sich damit aus und wissen, welche Phasen die Hündin in dieser Zeit durchläuft und sie sich während dieser auch verhalten kann. Was aber, wenn es während oder nach der Läufigkeit zu Komplikationen kommt? Woran erkenne ich diese möglichst früh und wie ist zu handeln? Darüber möchte ich heute in diesem Beitrag aufklären.

 


 

Zwischen dem 6. und dem 12. Lebensmonat tritt bei einer Junghündin meist zum ersten Mal die Läufigkeit auf. Junghündinnen sind während ihrer Läufigkeit zumeist noch etwas unruhig, während bereits etwas ältere, erfahrenere Hündinnen oftmals mehr Schlaf als gewöhnlich benötigen und entweder besonders anhänglich und kuschelbedürftig sind oder auch genau das Gegenteil, indem sie sich zurückziehen und ihre Ruhe bevorzugen. Oder aber wie Chilli, welche ständig wechselt und einen Tag besonders anhänglich ist und am nächsten Tag, bzw. manchmal auch im Stundentakt, sich zurückzieht und ihre Ruhe haben möchte.

Die meisten Hündinnen werden 2 Mal im Jahr, alle 6 Monate läufig. Bei Chilli ist es im Frühjahr und in der Herbstzeit.

Es gibt aber auch Hündinnen (oft besteht hier ein rassebedingter Unterschied), welche nur einmal jährlich und sogar Hündinnen, welche 3-mal jährlich in die Läufigkeit kommen.

Der Läufigkeitszyklus gliedert sich in folgende 4 Phasen:


1. Phase: Vorbrunst [auch Proöstrus genannt]

Diese Phase hält etwa 9 Tage an. In dieser Zeit kommt es zum Anschwellen der Vulva und erstem blutigen Scheidenausfluss. Hündinnen, welche während dieser Phase auf Rüden treffen, wirken auf diese bereits schon anziehend und oftmals versuchen die Rüden auch schon zu springen, allerdings beißt die Hündin sie in dieser Zeit noch weg und gewährt nicht.


2. Phase: Die Brunst [auch Östrus genannt]

Auch die Brunst dauert im Durchschnitt 9 Tage. Der Vaginal-Ausfluss wird jetzt klar und leicht schleimig.

Ca. vom 2. bis zum 4. Tag des Öztürks ist die Hündin nun deckbereit und zeigt dies auch deutlich, indem sie sich dem Rüden mit ihrem Hinterteil entgegenreckt und ihre Rute zur Seite dreht. Chili macht dies während dieser Phase sogar, man ihr das Schutzhöschen anzieht.

Man bezeichnet diese Phase auch als "Standhitze".
Ein Deckakt dauert ca. eine halbe Stunde.





ACHTUNG: Sollte es während dieser Phase ungewollt zum Aufreiten eines Rüden kommen, dürfen Rüde und Hündin NIEMALS gewaltsam voneinander getrennt werden!!! Der Penis des Rüden schwillt in der Hündin derart an, dass es zu SCHWERSTEN VERLETZUNGEN beider Hunde kommen kann!!!



 

3. Phase: Die Phase der Nachbrunst [auch Metöstrus genannt]
Die Dauer des Metöstrus liegt durchschnittlich bei 75 Tagen. Während dieser Zyklusphase ist die Progesteron-Konzentration ("Schwangerschaftshormon") im Blut erhöht. Dabei spielt es keine Rolle ob die Hündin tatsächlich gedeckt wurde und tragend ist, oder nicht.Vom Hormonstatus her gesehen durchläuft eine Hündin also nach jeder Läufigkeit den Vorgang einer Trächtigkeit. Dies ist auch der Grund, warum besonders sensible Hündinnen [Chilli zählt leider auch dazu] eine Scheinträchtigkeit entwickeln können, in welcher sie nicht nur Nest bauen, sondern es auch zur Ausbildung des Gesäuges und der damit einhergehenden Milchproduktion kommen kann.
Und genau an diesem Punkt kann es zu Komplikationen kommen:


Wenn die Scheinträchtigkeit mit ausgeprägter Aggressivität, Apathie oder übermäßiger Milchbildung bzw. sogar mit einer schmerzhaften Gesäuge-Entzündung einhergeht, ist eine medikamentöse Behandlung durch den Tierarzt notwendig.
 
Gegen Ende des Östrus haben Bakterien die Möglichkeit durch den noch geöffneten Muttermund (Zervix) in die Gebärmutter einzudringen. Es kommt zur Gebärmutterentzündung/Vereiterung.

Allmählich füllt sich die Gebärmutter mit eitrigem Sekret, Toxine aus dem Uterusinhalt werden vom Körper resorbiert und führen zur Blutvergiftung (Toxinämie). Betroffene Hündinnen weisen vermehrten Durst und Mattigkeitserscheinungen auf.  

Gelegentlich öffnet sich der Gebärmuttermund und es kommt zur Entleerung des Uterus und eitriger Scheidenausfluss wird sichtbar.


Wird die Gebärmuttervereiterung rechtzeitig erkannt, ist sie je nach Form durch Medikamente bzw. in der Regel durch die Kastration gut in den Griff zu bekommen. Anders bei
schwerer Toxinämie mit Fieber, Dehydration (Austrocknung), Apathie und Schock. Hier können selbst Not- Op´s die Hündin oftmals nicht retten. Gleiches gilt für Rupturen der Gebärmutter (vergleichbar mit einem Blinddarm-Durchbruch), bei denen sich der eitrige Inhalt (teilweise bis zu mehreren Litern) in die Bauchhöhle ergießt und dort zur lebensgefährlichen Peritonitis (Bauchfellentzündung) führen kann.


Draußen darf natürlich nach Herzenslust ohne Höschen getobt und gespielt werden.


Merke: Somit besteht also nach JEDER Läufigkeit die
Gefahr einer lebensbedrohlichen Gebärmutterentzündung/Vereiterung.
Gebärmutterentzündungen treten in der Regel 4 bis 6 Wochen nach Beendigung der Läufigkeit auf. Durch wiederholte Scheinträchtigkeit steigt das Risiko sogar.
In dieser Zeit heißt es also, seine Hündin ganz besonders gut zu beobachten und bei kleinsten Auffälligkeiten lieber einmal mehr, als einmal zu wenig zum Tierarzt zu fahren und die Hündin fachgerecht untersuchen zu lassen.

4. Phase: Die Ruhephase [auch Anöstrus gennant]
Wie der Name schon sagt, ist dies die Phase, in welcher der Hündin jegliche äußeren Anzeichen des Sexualzyklus fehlen.

Bis ins Alter von ca. sieben Jahren sind die Zyklus-Intervalle einer Hündin regelmäßig. Bei älteren Tieren verlängert sich häufig die Anöstrus-Phase und die Läufigkeit tritt nur noch einmal jährlich ein. Meistens sind die Anzeichen der Läufigkeit auch nicht mehr so deutlich ausgeprägt.
Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass für die meisten Hündinnen so viel wie möglich Abwechslung durch z.B. lange, ausgedehnte Spaziergänge das Beste während der Läufigkeit sind, weil sie so am besten von sich selbst abgelenkt sind. Bei Chilli merke ich das auch immer ganz deutlich, dass sie, sobald sie draußen an der frischen Luft und in Bewegung ist, ganz die Räubertochter ist und weder traurig noch müde, sondern eben ganz Chilli.
Was habt ihr für Erfahrungen mit euren Hündinnen gemacht und wie beschäftigt ihr sie am besten während ihrer Läufigkeit?