Montag, 11. April 2016

Der Boerboel im Umgang mit Kindern


"Diesen „Kampfhund“ lässt du mit Kindern zusammen? Ist das nicht ein bisschen gefährlich, ja sogar verantwortungslos?!!?"

Viele Boerboel- Besitzer kennen diese Bemerkungen und entsetzte Gesichter mit Sicherheit zur Genüge und genau aus diesem Grund habe ich diesen Beitrag verfasst, möchte meine Meinung und meine Erfahrungen mitteilen und somit den ein oder anderen zum Nach/  Überdenken anregen.





Natürlich ist der Boerboel ein sehr großer und kräftiger Hund, welcher auf die meisten Menschen erst einmal Eindruck schindet und ich möchte auch gar nicht bestreiten, dass der Boerboel nicht gerade der ideale Familienhund mit Kleinkindern im Haus ist.

So ein Boerboel bringt einiges an Gewicht und Stärke mit sich [Chilli wiegt 46 Kilo und zählt dabei noch zu den sportlich gezogenen unter ihnen. Stattliche Rüden können durchaus bis zu 70kg an Gewicht erreichen.] Und ganz klar, dass er daher kein kleines Schmusekätzchen auf Samtpfoten ist, welches zart um die Kinderbeinchen streicht.

Auch seine Wach- und Schutzhund Eigenschaften sollte man gerade im Umgang mit Kindern nicht außer Acht lassen. Das Spiel des Boerboel kann sehr rau sein und er handelt reaktionsschnell und eigenständig.



Doch bin ich der Meinung, dass kein Kind unbeaufsichtigt mit einem Hund spielen sollte, sei es nun ein Boerboel, Golden Retriever, Collie, Dackel…

Bitte versteht mich nicht falsch: Ich bin absolut dafür, dass Kinder so früh wie nur möglich in Kontakt mit Hunden/ Tieren allgemein gebracht werden sollen, einen gerechten Umgang, sowie Bedürfnisse und Verantwortung deren erlernen sollten, jedoch immer im Beisein eines Erwachsenen. Beide Seiten, quasi Kind und Hund, sollten ihre Grenzen kennen und respektieren, diese jedoch durchzusetzen und einzuhalten liegt in den Händen/ Augen der Erwachsenen/ Aufsichtspersonen.

Chilli mag Kinder sehr gerne, auch wenn ich bis heute nicht weiß, ob und vor allen Dingen welche Erfahrungen sie mit diesen sammeln konnte, bevor sie bei uns einzog.

Sie ist Kindern gegenüber wesentlich aufgeschlossener als Erwachsenen, schmeißt sich schon nach nur kurzem Kontakt auf den Rücken und lässt sich genüsslich ihren Bauch kraulen. Auch im Spiel ist sie wesentlich vorsichtiger, als wenn sie mit uns spielt, was wir bemerkt haben, als ein kleines Mädchen für mehrere Wochen bei uns wohnte.

Die Kleine hatte bereits Hundekontakt und keinerlei Angst vor Chilli. Von Anfang an haben wir darauf geachtet, dass Kind und Hund nur in unserem Beisein in Kontakt miteinander treten und das Chilli ausreichend Rückzugsorte hat, an welchem sie nicht belästigt wird, sondern wirklich komplett ihre Ruhe hat.


Diese jedoch nutzte sie nie, sondern ich muss mich bis heute noch mit einem Lächeln im Gesicht daran erinnern, wie das kleine Mädchen eines abends zu mir sagte: „Jule nimm jetzt mal bitte die Chilli von mir weg! Ich kann schon nicht mehr streicheln, weil meine Hand schon weh tut.“ *lach*

Allgemein wird Chilli bei Besuch NIEMALS weggesperrt, würde sie diesen ja dann immer mit einer Trennung ihres geliebten Rudels verknüpfen. Hat jemand Angst und möchte lieber etwas Abstand, wird Chilli auf einem ihrer Plätze abgelegt, jedoch so, dass sie trotzdem noch im Sichtfeld ist und am Geschehen teilhaben kann.

Die Tochter unserer Tierärzte liebt Chilli ebenfalls sehr und Chilli gestattet ihr beim Kuscheln sogar, dass sie ihren Kopf ganz dicht an ihren drückt, welches sie sonst nur bei ihren engsten Lieblingsmenschen duldet. Auch mit diesem Mädchen war ich schon gemeinsam mit Chilli spazieren und sie durfte sie auf einem etwas abgelegenerem Feldweg auch schon an der Leine führen. Chilli schaute zwischenzeitlich zwar immer wieder fragend zu mir, befolgte aber auf mein ok auch anstandslos die Kommandos des Mädchens und war sehr ruhig und geduldig im Umgang.

Vor ca. 14 Tagen erst berichtete mir die Mutti, welchen Satz ihre Tochter bei einem Diktat, in welchem sie schreiben sollten, wann sie glücklich sind, in ihr Heft schrieb: „Ich bin glücklich wenn Chilli in unsere Praxis kommt, weil Chilli mein Lieblingshund ist.“ (3. Klasse)

Ich find das sooo süß, dass ich jedes Mal darüber schmunzeln muss, sobald ich daran denke. :-)

Daher sehe ich auch kein Problem, einen Boerboel in eine Familie mit Kindern zu holen, vorausgesetzt natürlich, dieser hat noch keine negativen Erfahrungen im Umgang mit Kindern sammeln müssen und die Erwachsenen haben schon ausreichend Hundeerfahrung, um diesen Hund artgerecht einzuschätzen, zu erziehen und ins Familienleben integrieren zu können, denn merke:

Der Mensch ist dem Boerboel sein Lebensinhalt. Bei richtiger Haltung und Erziehung ist er ein Hund/ Partner, auf welchen man sich in jeder Beziehung verlassen kann, koste es ihm selbst das Leben.

Er kann die Stimmung seines Halters lesen und richtet sich danach aus.

Der Boerboel ist am glücklichsten, wenn er so viel wie nur möglich in der Nähe seiner Lieblingsmenschen sein und mit diesen gemeinsam durch dick und dünn gehen darf.    
 

Aus datenschutztechnischen Gründen habe ich keine zum Beitrag passenden Bilder gepostet, in denen Kinder mit Chilli zu sehen sind. Ich bitte um Verständnis!