Mittwoch, 4. Mai 2016

Chilli´s schrecklicher Unfall [Teil 2]


Stützen mussten wir sie ab dem zweiten Tag nicht mehr und aller zwei Tage ging es zum TA zum Verbandwechsel mit Wundkontrolle.
Das Haus wurde "chilligerecht"  umgestaltet, denn Treppen steigen war erstmal gestrichen. Der Opa baute uns aus Holz vor jeden Treppenabsatz Kindergitter, welche Madam aber schon nach kurzer Zeit zu öffnen lernte, sodass diese zusätzlich noch mit einem Seil am Treppengeländer fixiert werden mussten. Eine Einstiegshilfe fürs Auto gab es ebenfalls...


Chilli erholte sich wahnsinnig schnell. Bereits am 3. Tag musste ich nach Rücksprache mit unseren TA die Schmerzmedikation ein klein wenig reduzieren, da Chilli der Meinung war, sie müsse sich mit ihren noch so frisch vernähten und geklammerten Narben schon wieder auf der Wiese kugeln. Ich weiß noch genau, dass unsere TA immer mit dem Kopf schüttelten, wenn wir mit Chilli wieder in die Praxis zum Verbandswechsel kamen und Chilli mit einer Selbstverständlichkeit und zielstrebig in Richtung der Leckerchendose hereinmarschierte. Sie sagten immer, einem Menschen, welchem dies passiert wäre, würde fertig mit sich und der Welt auf der ITS liegen und wöllte wahrscheinlich niemand sehen, noch höre.

Chilli hatte nicht einen Knochenbruch, ihre Zunge war mittig gespalten und ein abgebrochener Zahn muss darin gesteckt haben.

3 Wochen später wurde noch eine erneute Zahn- OP durchgeführt, da dies einfach zu lange gedauert hätte und Chilli noch länger in Narkose hätte liegen müssen, als sie es in der Nacht vom 27. zum 28. Oktober eh schon musste und auch die TA brauchten ja mal eine Erholungspause, bedenkt man, dass sie seit 6 Uhr morgens auf den Beinen waren und Chilli zu zweit operierten. Obwohl es eine Haustierarztpraxis und noch nicht mal mehr eine große Klinik mit ausreichend Personal auch  während der Nacht ist, haben sie Chilli bei sich in der Praxis behalten, sind im 2h- Rhythmus abwechselnd zu ihr nach unten gegangen, haben nach ihr geschaut und sie versorgt. Meine Familie und ich sind ihnen von ganzem Herzen dankbar und wir schätzen uns jedes Mal aufs Neue glücklich, dass wir so tolle Tierärzte, welche mit absolutem Herzblut Tag für Tag ihre Arbeit verrichten, sei es Hamster, Meerschein, Hase, Hund oder Katze… Jedes noch so kleine Fellkind wird als wahre Persönlichkeit angesehen und mit bestem Wissen und Gewissen behandelt und therapiert.
Auch wenn die Nachbarn manches Mal vielleicht dachten, ich will sie zum Clown des gesamten Dorfes machen... irgendwie mussten wir die Verbände ja vor dem Regen schützen...



Insgesamt verlor Chilli durch den Unfall 3 ihrer Beißerchen, womit sie aber wunderbar zurechtkommt. Ca. 3-4 Wochen nach der OP waren wir noch einmal etwas erschrocken, weil eine ihrer Stirnseiten dicker wirkte, als die andere. Dies hatte aber lediglich mit der auf dieser Seite ausgeprägteren Kaummuskulatur zu tun, da sie die andere Seite noch etwas schonte. Mittlerweile darf sie sogar wieder richtig harte Sachen wie Ochsenziemer und getrocknete Welsköpfe  knabbern und tut dies auch beidseitig.
Anfang November bekam Chilli an der linken Flanke eine Ei große Wölbung, hatte weniger Freude beim Laufen und war auch allgemein etwas ruhiger und abgeschlagener. Ein erneuter Besuch beim TA beschätigte eine Wundheilungsstörung, bei welcher ihr Körper versuchte, dass Fettgewebe abzutragen. Erneut fielen die Worte OP, aber so ganz geschlagen wollten sich weder unsere TA, noch meine Familie und ich und am allerwenigsten Chilli geben, sodass ich mir genau zeigen ließ, wie ich die Wunde ausreichend und richtig spülte, denn an den tiefsten Stellen verschwand die Spritze komplett in Chilli und ich hatte zu Anfang ziemliche Angst ihr weh zu tun. Aber was tut man nicht alles, um einer OP noch einmal davon zu kommen, sodass ich bis zu 8 Mal am Tag spülte und zweimal in der Woche noch zusätzlich zum TA, welche am Abend Leukase- Kegel einsetzten, damit diese in der Nacht wirken konnten.
Auch hier war Chilli wieder absolut tapfer und hart im Nehmen. Aufjammern oder Winseln hörte man sich nicht einmal, ganz im Gegenteil: es gab Situationen, wo ihr das still liegen bleiben so langweilig wurde, dass sie vergnügt mit einem Spiely in der Schnuti umherquietschte und sich auch schnell mal damit drehte, während ich mit der Spritze noch in ihrer Wunde steckte und versuchte, möglichst alles sauber zu bekommen.
Gerade auf Spaziergängen und vermutlich aufgrund der Bewegung kam immer sehr viel Talg und Eiter heraus, sodass ich eine Zeitlang mit Rucksack auf dem Rücken losmarschierte, in welchem sich ausreichend Papiertücher, die Lösung zum Spülen, Handschuhe und die Spritze befand und nicht selten kam es vor, dass wir unterwegs ein Päuschen einlegten, in welchem ich Chilli „verarztete“.
Unsere, sowie die Mühe der TA, zeigten Erfolg und Chilli entkam einer weiteren OP. Heute ist nur noch eine kleine Stelle zu sehen, an welcher kein Fell mehr drüber wächst, Chilli aber keine Schmerzen oder Einschränkungen bereitet.
Lediglich an warmen Frühlings- und Sommertagen bekommt sie zum Schutz, da dieser ja durch das fehlende Fell nicht mehr vorhanden ist, 50+ Babysonnencreme aufgetragen.
Letzten Winter hatte ich an eisigen Tagen das Gefühl, dass sie auch da etwas empfindlicher ist, sodass sie ein dünnes Mäntelchen darüber bekam und somit auch da der Schutz gegeben war.
 



Hier sieht man das Ausmaß der Wundheilungsstörung, allerdings war es hier schon wieder in der Phase der Verheilung und des sich Schließens


 

So sieht es heute aus

Weihnachten 2014 verbrachten wir ruhig und überglücklich, dass wir es mit Chilli verbringen konnten.
Im Januar 2015 [warum sollte es auch mal ruhig bleiben…] fiel mir dann auf, dass sie auf ihrer linken Hinterhand immer mal wieder lahm ging. Ein Röntgen beim TA zeigte ein angerissenes Kreuzband und damit einhergehende leichte Arthrose im Kniegelenk.
Nun kann man nicht zu 100% sagen, dass dies mit dem Unfall in unmittelbarer Verbindung steht, haben viele große und kräftige Hunde wie Chilli es ist, des häufigeren mit Kreuzbandrissen zu tun, aber wir gehen davon aus, das durch den Unfall schon der „Grundstein“ dafür gelegt wurde.
Im Februar wurde Chilli dann also in der Veterinärmedizinische Fakultät Leipzig erneut auf den OP- Tisch gelegt und mit Tibial Plateau Leveling Osteotomy [TPLO beim Hund] behandelt.
Da schon abzusehen war, dass auch das rechte Kreuzband früher oder später nachziehen würde, mussten wir natürlich nicht lange überlegen, ob wir dieses gleich im Anschluss, oder erst zum Zeitpunkt des Reißens behandeln lassen wollten, denn Chilli musste nach jeder OP 8 Wochen ausschließlich liegen und ruhen und durfte nur zum Geschäft erledigen wenige Meter gehen und wirklich ganz ungelogen nach dem Motto: „Jeder Schritt weiter ist ein Schritt zu viel!“.
Um ehrlich zu sein fand ich diese Wochen noch furchtbarer, als die Wochen nach dem Zugunfall, sodass Chilli schon im April die zweite TPLO am rechten Kreuzband bekam.
Chilli war während dieser Zeit absolut unterfordert und jetzt erzählt mir bitte nix von Kopfarbeit, denn diese half auch nach 14 Tagen ohne körperliche Auslastung nix mehr. Die ersten Tage lag sie wimmernd und immer wieder zu mir hoch schauend an der Terrassentür und konnte nicht verstehen, warum ich nicht mehr mit ihr spazieren ging und sie auch nicht mehr ohne permanente Aufsicht und ohne Sätze wie: „Chilli leg dich hin, du darfst nicht laufen…“ durch ihren Garten schnuppern und spazieren konnte.
Dieses Bild ist im Spätherbst 2014 entstanden

Ihr großes Geschäft macht sie ausschließlich im Wald und meist auch erst, nachdem sie etwas gerannt ist, sodass ich sie am 3. Tag ohne Häufchen auf unserem Feldweg direkt vor dem Haus, ins Auto hievte, mit ihr in den Wald fuhr, sie sich zwar direkt in den nächsten Busch hockte und auch machte, mir dann aber wieder traurige Augen entgegenblickten und sie manches Mal auch stur stehen blieb, zog ich mit der Leine schon wieder Richtung Auto.
Für Chilli war es in den letzten Wochen das Tageshighlight, wenn sie einen Radfahrer des Feldweges entlang fahren sah oder Nachbars Hund bellte und sie wegen jeder noch so kleinen Bewegung und rascheln im Gras wuffte, nur um sich zu beschäftigen.
Im Juli durften wir dann wieder beginnen, wenigstens 10- 15 Minuten an der Leine laufen zu gehen und zu ihrem Geburtstag am 20.07. durfte sie erstmals wieder eine kleine Waldrunde drehen und im See baden gehen- das wohl größte Geburtstagsgeschenk, was wir ihr in diesem Jahr machen konnten.
Im August 2015 bekamen wir dann eeendlich das so lang ersehnte ok vom TA, dass Chilli wieder ohne Einschränkungen und nach Belieben Rennen und Spielen darf und mussten neben ihrer Muskulatur auch erst einmal ihre Kondition wieder aufbauen.
Seitdem kugelt sie sich auch mehrmals [vorausgesetzt es ist nicht nass] bei jedem Spaziergang, zeigt wie überglücklich und voller Lebensfreude sie ist und bekommt ihre 5 Minuten, wo sie mir wie von der Tarantel gestochen um die Beine jagt, dann zurück auf die Wiese oder das Feld und erneut um meine Beine. Diese 5 Minuten bekommt sie allerdings nur,  wenn sie mit mir allein unterwegs ist und wir in keiner Begleitung von anderen Menschen sind.
Was genau es damit auf sich hat, konnte ich leider noch nicht so ganz deuten, denn kugeln tut sie sich auch, wenn wir mit anderen Hunden und deren Zweibeinern unterwegs sind.
Vielleicht hat jemand von euch noch eine Idee oder kennt genau dieses Verhalten auch von seinem Hund? Dann ab damit in die Kommentare!;-)
Nun hoffe ich, dass Chilli in ihrem bisherigen Hundeleben genug Leid und Schmerzen erfahren musste und nun ihre noch bleibenden Jahre ohne irgendwelche Unfälle, Wehwehchen… glücklich leben darf und ich mir mal nicht so viele Sorgen um sie mache.
 
Auch an dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei allen Menschen bedanken, welche uns in dieser schweren Zeit unterstützt, aufgebaut und beigestanden haben. Ebenso für alle ehrlich und von Herzen kommenden lieben Benachrichtigungen, Karten & Briefe und nicht zuletzt eure Kommentare und Nachrichten auf den letzten Post bedanken. Es ist lieb zu wissen, dass sich nicht nur jeder ausschließlich um seinen Hund und deren Wehwehchen sorgt, sondern auch einmal daran denkt, was andere Hunde schon durchmachen oder noch immer erleiden müssen, wie so viele Hunde es tagtäglich bei einem Leben von Tierschändern oder komplett sich selbst überlassen auf der Straße tun müssen. Leider können wir nicht jedes Tier retten und ihm helfen, aber die ganze Welt eines Tieres, welches wir aufnehmen und ein neues und liebevolles Zuhause schenken.

 

Jule & Chilli