Montag, 23. Mai 2016

Wie eine ehemalige Golden-Retriever Besitzerin zu ihren Boerboels kam


Wir freuen uns sehr, euch heute unsere erste Lesergeschichte auf That´s Chilli veröffentlichen zu dürfen.
Die liebe Mirja wurde auf unseren Blog aufmerksam, wir schrieben uns Nachrichten und stellten fest, dass unsere Seelenhunde Emma und Chilli sich verdammt ähnlich sind- waschechte Boerboel- Mädels eben ;P
Auch Mirja´s Rüde Ron war ein Boerboel, welcher keinen leichten Start ins Hundeleben hatte. Umso mehr freuen wir uns aber, dass er eine so aufopferungsvolle und liebe Familie gefunden hat, welche mit ihm umzugehen wusste, ihn geliebt und geschätzt hat wie er war und ihm einen Neustart zurück in ein lebenswertes Hundeleben gegeben hat. In Boerboelhündin Emma fand er eine treue Freundin, welche ihm auch im Alter und den damit verbundenen Gebrechen, stets zur Seite stand und beschützte. Aber lest selbst...


Ich heiße Mirja, bin 43 Jahre alt und bin stolze „Besitzerin“ einer Boerboel Hündin namens Emma. Besitzerin klingt so besitzergreifend, dabei gibt es nicht viel Schöneres als mit der Seelenhündin durch die Wälder und Wiesen zu laufen und die Welt gemeinsam zu erobern.
Aber mal „kurz“ vorneweg. Wie ich zu dem Boerboel kam. Nach dem Versterben meines geliebten Golden Retrievers war ich 2010 im Tierheim Bremen und habe mich dort - einfach nur - umgesehen. Ich unterhielt mich mit einer Trainerin des Tierheims und bekam den Tipp, nachdem ich ihr meine/unsere, phänotypischen und charakterlichen Vorlieben offenbart hatte, ich solle mal nach dem „altdeutschen Boxer“ Ausschau halten. Das sei eine tolle Hunderasse. Ich gab also „altdeutscher Boxer“ bei Herrn Google ein und siehe da ... zum Vorschein kam ein Hund der „Börböl“ oder so hieß. Nachdem wir dann das Glück hatten in Bremen einen Züchter besuchen zu können, war es um uns geschehen. Wunderschöne Tiere und kein Boerboel glich dem anderen.
Es sollte also ein Boerboel werden, unser nächster Hund.
 

Dann kam 2010 die Gesetzesänderung in Dänemark. Der Boerboel wurde von einem Tag auf den anderen per Rassedefinition in Dänemark als gefährlicher Hund eingestuft. Es folgte weiter ein Artikel in einer Hundefachzeitschrift über den Boerboel in der diesem Wesenseigenschaften zugesprochen worden, denen ich mich nicht gewachsen fühlte. Ich entschied mich nun doch gegen den Boerboel, weil ich mich von vielerlei Dingen fürchtete. Werde ich einem solchen Hund gerecht? Bin ich konsequent genug? Bin ich mental stark genug? Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon jede Menge über den Boerboel gelesen, gehört, gesehen. Die Rasse ließ mich nicht los. Ich war in einem Boerboel-Forum aktiv und dort wurde in dem Vermittlungs-Thread ein 7-jähriger Boerboel-Rüde namens Ron feilgeboten. Er befand sich im Tierheim Pforzheim und kam mit der Tierheimsituation gar nicht zurecht. Ich fuhr kurzerhand mit meiner Mutter nach Pforzheim und schaute mir am 13.12.2010 Ron im Tierheim an. Ein abgemagertes Kerlchen mit einem riesengroßen Schädel schaute uns mit traurigen Augen an. Von mir wollte Ron nichts wissen. Er wollte nur zu seiner Pflegerin. Man sah diesem Tier die seelische Qual an. Es gibt sicherlich Hunde, denen macht der Tierheimaufenthalt weniger aus, aber einem Hund der vorher in einer Familie gelebt hat, in einer Wohnung, für diesen Hund ist das Tierheim eine unglaublich schlimme Erfahrung.
Boerboelrüde Ron [mittig] mit Airedale Terrier Merlin links und Boerboelhündin Emma rechts.


Ron war ein freundliches Kerlchen, nicht territorial und hat einfach mein Herz berührt. Ich nahm ihn mit und fuhr den Weg von Pforzheim nach Bremen wieder zurück mit Ron im Gepäck.
Es stellte sich heraus, dass Ron schon 9 Jahre alt war und allerhand körperliche Gebrechen im Gepäck hatte. Wir päppelten den schon betagten Herrn auf, stabilisierten seine Seele und liebten ihn. Ron war ein lieber Kerl. Nachdem er die ersten 3 Monate kaum aus seinem Körbchen wollte, taute er langsam auf und nahm auch an Gewicht zu. Sein Kumpel Merlin ein Airedale Terrier brachte ihm die Hundesprache bei und zeigte ihm die netten Facetten des Lebens.
Im März 2013 wurde dann in einem Boerboel-Forum über eine Hündin geschrieben, die ein neues Zuhause suchte. Es war Emma und es war die Hündin, die ich bereits 2011 auf einem Appraisal gesehen hatte. Sie war damals die schönste Boerboel-Hündin, die ich jemals gesehen hatte. Wir trafen uns mit dem vorherigen Besitzer und hatten uns wenig Hoffnung gemacht, dass unser Ron sich mit der Hündin arrangierte. Ron war zwar sozialverträglich, aber sehr eigen, was das Aussuchen von Freundschaften anbelangte. Ron war stark beeindruckt von Emma als er sie das erste mal sah und wäre am liebsten gleich wieder ins Auto gehuscht. Nach einer Stunde liefen die beiden aber schon ganz toll zusammen durch den Wald. Auch beim zweiten Mal, als Emma zu uns nach Hause kam, hat alles toll geklappt. Emma durfte bleiben. Ein hoher Zaun wurde errichtet, denn Emma ist entgegen Ron sehr territorial. Und sie meinte anfangs, sie kanns. Sie kann alles und da macht ihr auch keiner was vor. Für alle Situationen war das Emmi-Kind gewappnet. Besuch empfangen war nur mit Emmis Genehmigung möglich. Auf der Straße waren Passanten erstmal „gefährlich“. Nach und nach mit positiver Verstärkung, mit viel viel Training, mit einem langen Atemzug, haben wir aus dem Emmchen, was hinter jeder Ecke eine Gefahr witterte, eine ganz tolle Hündin gezaubert, die mittlerweile gerne Ärger aus dem Weg geht.
Die intensive Arbeit mit diesem tollen offenen Hund hat uns so zusammengeschweißt, dass sie einfach meine Seelenhündin ist. Manchmal denke ich, wir sind eins. Ich weiß was sie denkt und sie weiß glaube ich auch was ich denke. Sie braucht unglaublich körperlichen Kontakt, am liebsten ganz nah bei Frauchen. Am liebsten immer dabei. Emma liebt ... sie ist ein so emotionaler Hund. So etwas habe ich noch nicht erlebt.

Ron und Emma waren ein tolles Team. Emmi hat Ron, als seine Gebrechen weiter voranschritten, immer beschützt. Die beiden waren süß miteinander. Für Ron war Emma entgegen unserer Erwartungen eine Bereicherung. Im Mai letzten Jahres mussten wir Ron nach kurzer schwerer Krankheit über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Er hatte einen Lebertumor, der innerhalb von Tagen zur Faustgröße gewachsen war. Der Gesamtzustand verschlechterte sich stündlich, so dass wir ihn am 21.05.2015 frühmorgens gehen lassen mussten.
 
Seit dem ist Emma Einzelhündin und genießt die volle Aufmerksamkeit. Wir gehen täglich 2 Stunden spazieren, machen Kopfarbeit wie Trickdog, Fährte und unser liebstes Hobby ist das Fotografieren. Es ist unglaublich. Sobald Emma eine Kamera sieht, wird sie unglaublich busy. Man kann sich das fast nicht vorstellen, aber sobald ich die Kamera zücke, setzt sie sich in Pose. Da kann Kaninchen, Hund, Eichhörnchen, etc. vorbei laufen ... sie sitzt, posed, schaut nach rechts und nach links. Kamera ist weggepackt, Hund wird angeleint, Emma flippt aus, weil das Eichhörnchen hier noch irgendwo in der Nähe sein muss.
 
Ja ich bin boerboelinfiziert. Ob ein Boerboel ein einfacher Hund ist? Ich sage mal, es kommt drauf an, was man erwartet. Einen Boerboel hat man nicht, einen Boerboel lebt man. Es ist kein Hund für nebenbei in meinen Augen. Er braucht seinen festen Platz in der Familie und läuft nicht einfach nebenher. Er braucht einen mitten im Leben stehenden Menschen, auf den er sich verlassen kann und dann verlässt er sich auch. Einmal Boerboel, immer Boerboel.
Kühle Erfrischung Emmscher´Art von außen...

Vielen Dank, dass ich hier meine Geschichte erzählen durfte liebe Julia. Dein Blog ist sehr schön und man merkt wieviel Herzblut du hier rein steckst. Ich freue mich immer von euch zu lesen und ich hoffe, dass wir uns einmal persönlich begegnen und ein Foto von unseren gemeinsamen Seelenhunden schießen können.


...kühle Erfrischung Emmscher´Art von innen ;P




Liebe Mirja, auch wir bedanken uns recht herzlich, dass ihr eure bewegende Geschichte mit uns geteilt habt und wir sie auf That´s Chilli veröffentlichen durften.
Für viele unserer Leser ist es sicherlich sehr interessant, Bilder und Erfahrungen über den Boerboel einmal noch von einem anderen Boerboel- Besitzer zu lesen, als von mir selbst.
Wir wünschen dir und Emma alles erdenklich Gute, noch viele gemeinsame spannende Abendteuer und gemütliche Kuschelstunden. Ein persönliches Treffen behalten wir, wie bereits in Nachrichten besprochen, im Auge- der nächste Herbst kommt bestimmt! ;-)
Da Mirja ebenfalls begeisterte Hobbyfotografin ist [wir sogar fast zeitgleich den Fotografie- Grundkurs an der Shaw Academy absolviert haben :D] und wahnsinnig tolle Bilder von Emma hat, welche den Rahmen dieser Lesergeschichte jedoch sprengen würden, legen wir schon am Sonntag auf unserem Blog einen Bildertag getreu dem Motto: "That´s Emma" ein. Wer also ebenso fasziniert und verliebt in diese süße Boerboelhündin ist, wie wir es sind, sollte sich diesen nicht entgehen lassen. ;-)
Ihr seid selbst Besitzer eines Boerboel´s oder geretteten Straßen- oder Tierheimhundes und möchtet uns eure Erfahrungen mitteilen oder über das Zusammenleben mit diesen erzählen? Dann freuen wir uns auf eure Mail und vielleicht ist diese ja schon bald hier auf That´s Chilli zu lesen. ;-)