Donnerstag, 23. Juni 2016

Hunde, unsere wahren Therapeuten


Sie stehen uns in guten wie in schweren Zeiten bei, akzeptieren und lieben uns so wie wir sind, beurteilen nicht und sind wahre Therapeuten. Aufgrund ihrer natürlichen Sozialkompetenz helfen sie uns in Krisensituationen uns wieder besser, oder zumindest nicht allein zu fühlen. Doch wie sensibel und mitfühlend sind unsere Hunde wirklich? Können sie so etwas wie Mitleid empfinden und besitzen sie tatsächlich heilende Kräfte? Die Antworten könnt ihr hier und jetzt lesen.



Es beginnt schon grundlegend damit, dass man Verantwortung übernimmt, entscheidet man sich, mit einem Hund zusammen zu leben und mit ihm das Gefühl des gebraucht werdens. Das allein reicht oftmals schon aus, unser persönliches Befinden zu verbessern. Aktuelle Erkenntnisse der Achtsamkeitsforschung belegen sogar:

Hunde sind die allerbesten Meditationspartner! Sie strahlen Ruhe aus, suchen unsere Nähe und leben im Hier und Jetzt.

Doch wie sensibel sind unsere Hunde wirklich?

Zeigen unsere Hunde wahrhafte Emotionen, Gefühle und Empathie, oder spulen sie lediglich eine Art verhaltensbiologisches Instinkt- Programm herunter? Günther Bloch, renommierter Kynologe, Gründer des Caniden- Verhaltenszentrums „Hunde-Farm Eifel“ und Buchautor weiß:

Hunde haben ihre Emotionen und ihr Wesen über die Jahrtausende an den Menschen angeglichen. Dies war bei Weitem kein einseitiger Evolutionsprozess, denn mit Sicherheit hat sich auch unsere Spezies in der Frühzeit so manche sozioemotionale Gepflogenheit, welche für ein verständnisvolles Zusammenleben in der Gruppe und den Umgang miteinander unverzichtbar ist, vom Wolf abgeschaut.

Doch unsere Vierbeiner haben nicht nur gelernt, unser Ausdrucksverhalten zu entschlüsseln, unsere Gestik und Mimik genau zu deuten und daraufhin Rückschlüsse auf unser Verhalten zu ziehen. Ihre Empfindsamkeit gegenüber anderen liegt ihnen gewissermaßen auch in den Genen.

Während Welpen noch vermehrt dazu neigen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, kann man bei ausgewachsenen und reifen Hunden keinesfalls mehr von Egoisten sprechen. Diese haben nämlich gelernt, sich unabhängig von Rang und Geschlecht umeinander zu kümmern. So verfügen sie über die Fähigkeit, sich in schlechten Zeiten Trost zu spenden und Mitgefühl zu zeigen.

Langzeituntersuchungen an Timberwölfen in Kanada, sowie an verwilderten Haushunden in der Toskana belegen, dass momentane Schwäche, Verletzbarkeit oder eine vorübergehende Veränderung, nicht automatisch zu ernsten Auseinandersetzungen oder gar offensiv ausgetragenen Statuskämpfen führt. Vielmehr erhalten verletzte und kranke Rudelmitglieder sozioemotionale Unterstützung und Hilfe bei der Nahrungsversorgung. Diese Eigenschaft ist bei Hunden zwar weniger ausgeprägt, was ich für meinen Teil sowohl von Chilli, als auch von unseren vorhergehenden Rottweilern bestätigen kann. Nicht einem dieser Nasen wäre es in den Sinn gekommen, ein schmackhaftes Wienerwürstchen oder dergleichen zu einem krank im Bett liegenden Familienmitglied zu apportieren *hust*, aber lasst euch sagen: Sie existiert. ;-)

So können sich unsere Hunde also in uns hineinversetzen, bemerken, wenn sich auf der sozioemotionalen Ebene etwas verändert hat und nehmen sich uns Menschen gegenüber oftmals von sich aus ein Stück weit zurück.

Bei Chilli merke ich dies verstärkt wenn wir im Rudel laufen und ganz besonders, als wir gemeinsam mit Lino, Larik und deren Frauchen + einer kleinen Jack Russel Hündin unterwegs waren. Die kleine Hündin benötigte einen Großteil meiner Aufmerksamkeit und statt sich dazwischen zu drängen oder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, hielt Chilli sich vermehrt bei meiner Freundin auf, befolgte deren Anweisungen und hielt nur hin und wieder nach mir und der kleinen Hündin Ausschau. Dieses Verhalten erstaunte sowohl mich, als auch meine Freundin, da Chilli auch diese zwar sehr liebt, aber trotzdem sehr auf mich fixiert ist und immer auf meine Handlungen und Anweisungen wartet. Instinktiv hat sie an diesem Tag wohl verspürt, dass die kleine Jack Russel Hündin meine volle Aufmerksamkeit benötigt und sich absolut aus freiem Willen vermehrt meiner Freundin mit Lino und Larik angepasst.

Auch wenn ich einmal allein mit 3 Hunden unterwegs bin, nimmt sie sich zurück, achtet durch Blickkontakt aber vermehrt auf mich, als ich es eigentlich von ihr gewohnt bin und versucht nicht einmal ansatzweise Jagen zu gehen, wobei ich dies jetzt auch in keinem Fall Beschreien möchte!!! ;P

Sind wir allein unterwegs und Chilli spürt, dass ich traurig oder sogar unkonzentriert bin, baut sie Verhaltensweisen ein, welche meine Aufmerksamkeit immer wieder auf sie richten. So kugelt sie sich vermehrt im Gras und kommt anschließend wild um meine Beine gesprungen, bringt mir Stöcke oder andere Fundsachen angeschleppt oder ist extrem spannig und immer in Begriff loszujagen, auch wenn weit und breit kein Wild oder ähnliches auszumachen ist, sondern lediglich um mich abzulenken und aus meiner Gedankenspirale herauszuholen.  

 

Besitzen Hunde nun tatsächlich heilende Kräfte?

Ich selbst bin der festen Überzeugung, dass sie dies tun. Sie beeinflussen nicht nur unser seelisches Wohlbefinden, sondern halten uns körperlich fit. Egal bei welchem Wind und welchem Wetter, Alltag oder Feiertag, muss der Hund raus und besteht auf seine Spaziergänge. Wer beim Spazierengehen ausgiebig mit seinem Hund spielt, schüttet vermehrt den Botenstoff Dopamin aus, welches von größter Bedeutung für unser emotionales Wohlbefinden ist. Zu wenig dieses Botenstoffes führt oftmals zu depressiven Verstimmungen bis hin zu ausgeprägten und schweren Depressionen.

Dazu kommt, dass zahlreiche Menschen, welche erst später auf den Hund gekommen sind und nicht das Glück hatten mit ihnen aufzuwachsen, so wie es bei mir der Fall war, sagen, dass sie die Natur und Umwelt allgemein anders wahrnehmen, viele Dinge anders sehen, bzw. sich darüber erst einmal ausführlich Gedanken machen. Ich selbst konnte während meiner Ausbildung beobachten, dass Kinder und Jugendliche, welche mit Tieren aufwachsen, oftmals rücksichtsvoller und verantwortungsbewusster sind, als Kinder welchen dies [teils auch aus allergischen Gründen], nicht möglich war.

Ebenso ist der Hund von großer Bedeutung, wenn es um die soziale und kommunikative Integration in unserer heutigen Gesellschaft geht. Nicht selten beschreiben beeinträchtigte und behinderte Menschen sich mit Hund an der Seite, wesentlich sicherer und in unsere Gesellschaft integriert, kommt man über den Hund in Gespräche.

Meine Uroma besaß bis zu ihrem 92. Lebensjahr eine kleine Mischlingshündin, war im Stande, sich selbst und ihre Hündin komplett allein zu versorgen, kochte täglich und belächelte uns Familienmitglieder bloß, wenn wir sie regelmäßig besuchten und ihr anboten, ihr die Hündin für einen etwas größeren Spaziergang einmal abzunehmen. Nachdem die kleine Hündin aufgrund einer Krebserkrankung eingeschläfert werden musste und für meine Uroma kein neuer Hund in Frage kam, baute sie zusehends ab, erkrankte an Demenz und auch eine Katze konnte ihr keinen Trost über den Verlust ihrer kleinen und über alles geliebten Hündin schenken.

Nichts ist heilsamer als ein treuer Blick, ein sanftes Stupsen oder das weiche Fell seines Herzhundes zu spüren!

Einen Hund zu streicheln senkt sogar nachweislich den Blutdruck. Die Herzfrequenz wird langsamer und kann einer Studie des Minnesota Stroke Institutes zufolge sogar das Herzinfarktrisiko um bis zu 30% senken. Gleichermaßen konnte auch anhand von wiederholten Blutproben bei verschiedenen Rassen eindeutig festgestellt werden, dass auch bei unseren Hunden der Oxytocinpegel deutlich steigt, kommen diese aus eigenem Willen zum Kuscheln, was wieder einmal deutlich beweist, dass Mensch und Hund gleichermaßen von ihrem symbiotischen Verhältnis profitieren. 

Na, habt ihr heute schon alle ausgiebig mit eurer liebsten Fellnase gekuschelt? ;-)