Sonntag, 10. Juli 2016

Hitzfalle Auto



Sommer für Sommer wird davor gewarnt, sei es in den Medien, Zeitschriften, Einkaufsmärkten, Tiergeschäften... Und Jahr für Jahr müssen immer wieder aufs Neue Hunde den qualvollen Hitze- Tod sterben. Zeilen wie: "78- Jährige vergisst ihren Hund bei hochsommerlichen Temperaturen im Auto" oder "Zwei Hunde auf Ausstellungsmesse tot aus Auto geborgen" zeigen, dass es eben furchtbarerweise noch nicht bei jedem Hundehalter angekommen ist, sodass wir auch auf That's Chilli noch einmal darauf aufmerksam machen möchten.

Bild by PETA Deutschland.de






Es macht mich traurig und wütend zugleich, wenn ich oben erwähnte Zeilen lese und mir stellt sich die Frage, warum jährlich noch immer Hunde im aufgeheizten Auto zu Tode kommen, wird ja mittlerweile auch in zahlreichen Einkaufsmärkten darauf hingewiesen und z.T. der Hund sogar im inneren des Ladens willkommen geheißen. Ist es z.T. doch noch die Unwissenheit mancher Hundehalter, oder wird die Gefahr nach wie vor unterschätzt? Eine Frage, welche ich leider nicht beantworten kann, doch fest steht:
Selbst bei 20 Grad Außentemperatur hat der Hund nichts mehr im parkenden Auto verloren, denn bereits diese können sich in nur einer halben Stunde im Inneren des Autos zu weit über 30 Grad erhitzen und zum Hitzeschlag beim Hund führen.
Hier einmal eine Tabelle zur Temperaturentwicklung im Auto:


Aussen-Temperatur

nach 10 Minuten

nach 30 Minuten

nach 60 Minuten

20 Grad

27 Grad

36 Grad

46 Grad

22 Grad

29 Grad

38 Grad

48 Grad

24 Grad

31 Grad

40 Grad

50 Grad

26 Grad

33 Grad

42 Grad

52 Grad

28 Grad

35 Grad

44 Grad

54 Grad

30 Grad

37 Grad

46 Grad

56 Grad

32 Grad

39 Grad

48 Grad

58 Grad

34 Grad

41 Grad

50 Grad

60 Grad

36 Grad

43 Grad

52 Grad

62 Grad

Warum ist das so?
Lasst mich zuerst einmal kurz erklären, wie das mit der Körpertemperatur beim Menschen funktioniert:
Der gesunde Menschen hält seine Körperkerntemperatur von 36,5 bis 37,4 Grad nach Möglichkeit immer stabil, auch wenn es in seiner Umgebung deutlich wärmer oder kälter ist.
Die Körperwärme entsteht durch Stoffwechselaktivität in Organen und Muskeln. Heizt hohe Aktivität den Körper zu sehr auf, muss Wärme abgegeben werden. Droht hingegen bei äußerer Kälte zu starker Verlust von Wärme, muss sie gehalten werden. Beides erfolgt bedarfsweise über Mechanismen, die das Gehirn wie ein Thermostat steuert: Der Hypothalamus [Teil des Zwischenhirns, welches Regulationszentrum für alle vegetativen und endokrinen Vorgänge ist] misst die Temperatur des Bluts. Weicht diese vom Sollwert ab, leitet dieser Gehirnbereich über vegetative Nerven Reaktionen ein, die Wärme abgeben, isolieren oder erzeugen.
Bei Wärmeverlust an eine kältere Umgebung kommt es zu Gegen­reaktionen: Die Wärmeabgabe sinkt. Muskelzittern erzeugt Wärme, die dem Temperaturverlust bei äußerer Kälte entgegenwirkt.
Die Hautgefäße werden enger gestellt. Das hält Wärme zurück, indem das Blut verstärkt in das Körperinnere verschoben wird. Die Haut wird blass und kalt.
Droht Überhitzung, reagiert der Organismus mit Maßnahmen, die Wärme abgeben und kühlen.
Schwitzen kühlt die Haut, indem die abgegebene Flüssigkeit verduns­tet. Dieser Effekt greift bei hoher Außentemperatur oder starker Aktivität.
Hunden gelingt dies leider nicht, da sie keine Schweißdrüsen unter ihrem Fell besitzen, sondern lediglich an den Ballen ihrer Pfoten. Der Hund kühlt sich überwiegend durch das Hecheln ab, wobei er eine Atemfrequenz von bis zu 400 Atemzügen pro Minute erreicht. Beim Hecheln stößt der Hund die warme Luft über seine Schnauze aus und atmet im Gegenzug kühle Luft über seine Nase wieder ein. Somit ist logisch, dass dies nur gelingt, wenn die eingeatmete Luft kühler ist, als die Luft, welche er ausstößt und in einem derart aufgeheizten Auto hat er nicht den Hauch einer Chance. 
Im gesunden Zustand besitzt der Hund eine Körpertemperatur von etwa 39 Grad.Ab einer Körpertemperatur von 41 Grad wird das Blut vom Körperinneren in die äußeren Körperteile gepumpt und lebenswichtige Organe werden nur noch unzureichend durchblutet – ein Hitzeschlag droht!!! Bei einer Körpertemperatur von 43 Grad  gerinnt das körpereigene Eiweiß und das Gehirn dehnt sich aus. Dies wiederum führt zu einem massiven Druck im Schädel und starken Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Es besteht akute Lebensgefahr!!!

Anzeichen eines Hitzeschlages sind:
  • starkes Hecheln mit starkem Speichelfluss
  • beschleunigter Pulsschlag
  • schnelle, flache Atmung
  • überhitzter Körper
  • tiefrote Zunge und blassgefärbte Schleimhäute
  • glasiger, teilnahmsloser Blick mit geröteten Augen
  • Erbrechen
  • Erschöpfung
  • Apathie
  • taumelndes Gangbild
  • Krämpfe
  • Bewusstlosigkeit
Auch geöffnete Fenster schaffen bei hochsommerlichen Temperaturen keine Hilfe, da das Autoinnere sich kontinuierlich hochheizt und der Hund keine kühle Frischluftzufuhr hat. Daher bitte keinen Hund im Sommer oder an warmen Frühjahrs/Herbsttagen in einem geparkten Fahrzeug zurück lassen!!!  

Was ist jetzt zu tun?

    1. Nicht wegschauen sondern Handeln!
    2. Den Fahrzeugbesitzer ausfindig machen! Steht das Fahrzeug auf dem Parkplatz eines Geschäftes, besteht die Möglichkeit deren Kennzeichen im Geschäft ausrufen zu lassen, wofür aber in den wenigsten Fällen Zeit bleibt, sondern wirklich nur dann, wenn der Hund im Fahrzeuginneren sich noch nicht in Lebensgefahr befindet.
    3. Die Polizei informieren!
    4. Befindet sich der Hund bereits in Lebensgefahr, liegt es an einem selbst, ob man es wagt, das Leben eines Tieres zu retten, die Scheibe des Fahrzeuges einzuschlagen und dafür eine Sachbeschädigung und deren rechtlichen Konsequenzen in Kauf nimmt.

Genau an diesem 4. Punkt sollte sich meiner Meinung nach ganz dringend etwas ändern, denn ich kann nicht nachvollziehen, wie es möglich ist, dass Dinge [Sachbeschädigung] über Lebewesen [Tieren] stehen und statt Geld für eine eingeschlagene Fensterscheibe ersetzt zu bekommen, sollten Menschen, welchen ihren Tieren dies antun, selbst ordentlich in die Tasche greifen und von hoffentlichen Gewissensbissen geplagt werden!!!


Erste Hilfe Maßnahmen für den Hund:
Der Hund sollte sofort nach Rettung in den Schatten oder besser noch einen kühlen Innenraum gebracht werden und mit kühlen Tüchern umwickelt oder zumindest abgedeckt werden. Bitte kein gut gemeintes eiskaltes Wasser über den Hund schütten! Dies kann in seiner Verfassung zum Herzstillstand führen. Ebenso verhält es sich mit der Gabe von Wasser. Es sollte nicht eiskalt sein und der Hund sollte nicht übermäßig viel auf einmal trinken, sondern langsam und dosiert Flüssigkeit zu sich nehmen, was am besten über dosiertes nachfüllen in einen Behälter [Napf wenn vorhanden] funktioniert, sollte der Hund in der Lage sein, dies selbstständig auszunehmen. Ist er aufgrund von Apathie oder Bewusstlosigkeit nicht mehr in der Lage dazu, darf ihm in keinem Fall Wasser unter Zwang ins Maul eingeflößt werden, da hier die Gefahr besteht, dass es in die Lunge des Hundes läuft, ist dieser nicht mehr in der Lage selbstständig zu schlucken. Sobald der Hund transportfähig ist, muss er für eine Weiterbehandlung einem Tierarzt vorgestellt werden, denn leider versterben auch gerettete Hunde nicht selten noch aufgrund von Folgeschäden... :-(
Natürlich ist es von großem Vorteil und auch angenehmer und beruhigender für den Hund, behält man selbst starke Nerven und strahlt Gelassenheit aus, doch kann ich mir gut vorstellen, dass man beim Anblick eines kollabierenden Hundes nicht mehr die Ruhe in Person ist...


PETA fasst hier noch einmal zusammen: [zum Vergrößern bitte Bild anklicken!]




Ich selbst musste zum Glück noch keinen Hund aus dem Auto retten, habe nur schon einmal einen Halter darauf aufmerksam gemacht, welcher seinen Jack Russel im Auto zurückließ, zum Glück aber schnell wieder an seinem Fahrzeug war.
Ich hoffe auch weiterhin das mir so ein Anblick erspart bleibt und kann auch weiterhin nur an die Vernunft der Hundehalter appellieren.
Wenn dieser Beitrag den ein oder anderen noch einmal zum Nachdenken anregt oder er neues Wissen daraus ziehen konnte, wäre dies bereits ein Schritt in die richtige Richtung, über welchen ich mich sehr freuen würde. Ein Schritt in eine hundefreundlichere Haltung, denn merke:


Leider können wir nicht jeden Hund und jedes Lebewesen dieser Welt retten, aber die ganze Welt jeder unserer Fellnasen, welche ein artgerechtes Leben bei uns führen dürfen. ;-)
Dies gilt natürlich auch für Katzen, Nager und andere kleine Tiere, welche bei solchen Temperaturen ebenfalls nichts, gefangen in Transportboxen, in einem geparkten Auto zu suchen haben!