Freitag, 8. Juli 2016

Lebensretterin


Wuff Wuff ihr Lieben,

höchste Zeit, einmal selbst wieder die Pfoten auf die Tasten zu drücken und euch einen Schwung aus meiner Jugend zu erzählen. *grins* Von meiner Zweibeiner - Familie  werde ich nämlich auch Lebensretterin genannt *ganz stolz schau* Und wie genau es dazu kam, erfahrt ihr im heutigen Blogbeitrag.





Es geschah im Dezember 2012. Um genau zu sein am ersten Heiligen Abend, welchen ich mit meiner Familie verbringen durfte. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie die Zweibeiner sich darüber freuten. Es lag wahnsinnig viel Heimlichkeit in der Luft, ich durfte zum ersten Mal in meinem Leben ein Adventskalenderchen öffnen und ganz besonders mein Lieblingszweibein schwärmte davon, wie sehr sie sich doch auf die Abendrunde nach der Bescherung mit mir freute, so ganz idyllisch bei leichtem Schneefall und Glockengeläut noch einmal eine Runde durch das Dorf zu drehen. Wenn sie mal gewusst hätte auf welchen Anblick wir da stießen, wäre sie nicht noch einmal mit mir losmarschiert, so viel steht fest!!

Um kurz vor 21 Uhr, nachdem die Großeltern sich verabschiedet hatte und von unserem Hof fuhren, machten wir uns noch einmal auf den Weg. Schneeflocken vielen nicht vom Himmel, aber wenige Zentimeter Schnee bedeckten unsere Dorfstraße.  Als wir um die Kurve an der Kirche bogen, entdeckten wir einen auf dem Parkplatz parkenden PKW, dessen Fahrerseite geöffnet war und ein Mann darin saß, welcher aussah, als würde er schlafen. Wäre die Tür geschlossen gewesen, wäre uns dies gar nicht aufgefallen, denn der besagte Parkplatz ist nur mäßig beleuchtet. Dem Zweibein schoss als erstes durch den Kopf: „Oje, ein armer Mensch, welcher keine Familie hat, mit welcher er das Weihnachtsfest verbringen kann und sich daher hier an der Kirche mit ein paar Flaschen Bier im Kofferraum abgestellt und vor Kummer betrunken hat.“

Sie rief energisch: „Hallo! Können Sie mich hören?!“ Keine Reaktion. Langsam spürte ich wie es dem Zweibein etwas unheimlich wurde, aber noch verhielt ich mich abwartend neben ihr. Sie rief dem Mann wieder entgegen, diesmal noch lauter und als wieder keine Reaktion folgte, lief sie mit mir an der Leine auf diesen im Auto sitzenden Mann zu. Ich spürte wie ihr das Herz bis zum Hals schlug und ihre Knie zitterten und genau in diesen Momenten muss ein Boerboel tun, wofür er geboren wurde, nämlich seinen Lieblingsmenschen zu beschützen, koste es was es wolle. Ich spürte genau dass mit diesem Mann etwas nicht stimmte, merkte aber auch, dass dieser nicht mehr ansprechbar war, sodass es nichts gebracht hätte, diesen anzuknurren. Kurz bevor das Zweibein also die Hand nach diesem Mann ausstrecken konnte, stellte ich mich zwischen sie und den Mann und knurrte sie an. Zugegeben das war das erste Mal, dass ich mein Lieblingszweibein anknurrte, aber wie sonst hätte ich ihr zeigen sollen, dass die Situation gefährlich für sie war und sie auf Abstand dieses merkwürdigen Mannes bleiben sollte?!! Ich hatte also keine andere Wahl und das Zweibein verstand mich auch sofort, geriet aufgrund meiner Warnung aber nun völligst in Panik und stotterte immer nur vor sich hin: „Hier stimmt was nicht Chilli! Mit dem Auto stimmt etwas nicht! Warum verdammt nochmal kommt hier niemand, den wir anhalten und um Hilfe bitten können!!!“

Am ganzen Körper zitternd rief sie beim Rudel Zuhause an, sagte ich lass sie nicht ran, sie hätte aber auch Angst mich an dem Latternenmasten anzubinden und allein heran zu treten, ich würde etwas spüren, sie warnen wollen und was wäre wenn dieser Mann die ganze Situation nur vorspielte und sie dann ins Auto zog… Polizei anrufen, ja aber was dieser erzählen… die würden fragen ob sie einen Puls bei dem Mann erfühlen könnte, was sonst noch im Auto erkennen… Das Rudel also meinte sie kommen sofort zur besagten Stelle und ich hab in dieser Zeit den Blick nicht einmal von diesem Mann abgewendet, all meine Muskeln waren angespannt und jederzeit auf Angriff eingestellt. Ich spürte die Panik meines Lieblingszweibeines neben mir und habe sie noch nie zuvor so unsicher erlebt, sodass ganz klar war, dass ich hier und jetzt übernehmen und aufpassen musste!!!



Das Rudel kam, dass Oberzweibein lobte mich, wie gut ich aufgepasst hätte, denn mein Lieblingszweibein neben mir war immer noch total in Panik und einfach absolut überfordert mit der heiklen Situation.

Das Oberzweibein aber hatte alles im Griff, traute sich an den Mann heran und da er mir wesentlich sicherer und gefestigter als mein Lieblingszweibein vorkam, hatte ich auch keinen Grund einzugreifen. Ein kleiner Einblick in das Auto genügte und das Oberzweibein gab die Anweisung: Notruf absetzten! Person bewusstlos, Puls und Atmung nur noch schwach, Alkohol, Tabletten, Abschiedsbrief und Bettzeug im Auto vorhanden. Ein Schlauch vom Auspuff über das Rückfenster ins Autoinnere gezogen, rundherum alles sorgfältig mit Paketband abgeklebt… eindeutiger Versuch eines Suizids…

Für mich war die Sache an dieser Stelle erledigt, denn das Oberzweibein hatte alles im Griff und das ganze Rudel musste sich nun um den Mann kümmern, ihn aus dem Auto wuchten, in die stabile Seitenlage bringen und sich darauf vorbereiten, ihn bei aussetzen der Atmung sogar noch beatmen zu müssen. Ich habe mich brav an der Seite abgelegt und nur beobachtet. Erst als Rettungswagen und Polizei nach der ganzen Aufnahme des Falles wieder davon fuhren, wurde ich über den goldenen Klee gelobt, wie prima ich dies doch gemacht hätte, so toll auf das immer noch unter Schock stehende Lieblingszweibein aufgepasst habe und wieder Zuhause angekommen gab es noch eine großzügige Portion Leckerli für mich. *yummy* Die hatte ich mir aber auch wirklich verdient, denn sind wir mal ehrlich: Wäre ich nicht gewesen, wäre das Zweibein um diese Uhrzeit nie da entlang gelaufen und hätte den verzweifelten Mann  auch nicht gefunden. Dieser hat nämlich zum Glück und sogar ohne Folgeschäden überlebt. Gerade noch einmal so... Die Ärzte meinten, wenn es nur eine halbe Stunde später gewesen wäre, hätte es anders geendet… Somit war ich also Lebensretterin zum ersten Mal. *stolz drein blick*



Das zweite Mal folgte dann zwei Jahre später und wieder in einem Wintermonat, nämlich dem Februar. Das Zweibein musste an diesem Tag lange arbeiten, sodass wir unsere Nachmittags/ Abendrunde bereits in der Dunkelheit beginnen mussten und sich diese auf eine Dorfrunde beschränkte, dessen Weg uns an einer Bushaltestelle vorbeiführte. Nahe der Bushaltestelle befand sich auch ein Briefkasten, in welchen das Zweibein noch ein paar Briefumschläge stecken musste. Ich aber bekam selbst nach energischem Rufen ihrerseits meine Nase noch immer nicht aus der hintersten Ecke der Bushaltestelle, stand da nämlich eine Plastebox mit äußerst interessanten Gerüchen, welche ich so noch nicht wahrgenommen hatte. Nicht gerade erfreulich kam das Zweibein also wieder zurückgestapft und wollte mich gerade am Geschirr packen und weiterziehen, als ich sie endlich auf meinen Fund aufmerksam machen konnte. Sie leuchtete diesen mit ihrer Handykamera an und wurde augenblicklich wütend und schimpfte: „Menschen gibt es, die gibt es gar nicht!! Hoffentlich kommen die auch mal in eine solche Situation und frieren sich den Arsch im kalten ab!!! Wofür gibt es bitte Zoogeschäfte oder Tierheime?!!“

Das gut riechende Etwas in der Plastebox folgte uns also mit nach Hause und ich dachte schon ich hätte mir ein Häppchen meines Abendbrotes selbst erfangen, denn sagen die Zweibeiner nicht immer: „Wer es findet, dem gehört es?!“ *grübel grübel*

Mein Zweinbein schien diese Regel nicht zu kennen, denn ich durfte zwar an dem kalten und in sich ein gekringelten kleinen Getier schnuppern, es aber nicht verkosten. *motz*

Nun fragt ihr euch sicherlich was genau für ein felliger Zwerg das war, oder? Lasst euch sagen: es ist der absolut frechste und größte Ausbruchskünstler des gesamten Hamsteruniversums, welchen die Zweibeiner Findus Findelkind getauft haben und welcher seitdem ebenfalls trotz all seinem Blödsinn und seiner Frechheit zum Rudel gehört, denn das Zweibein wollt ihn nicht mehr abgeben, aus Angst er würde Schlangenfutter werden, hätte sie ihn in ein Zoogeschäft gebracht und gesagt wir haben den ausgesetzt an der Bushaltestelle aufgesammelt…  Das Zweibein und ihre Tierliebe eben, sind die Fellnasen auch noch so klein… *Kopf schüttel* 

   
Findus Findelkind ist ja nicht die einzige kleine Fellkugel hier im Haus, sondern es gibt da noch so einen großen Eigenbau, vor welchem ich gerne liege und schaue. Da wuseln so kleine quiekende Fellkugeln durch. Ich galube Meerschweinchen nennen die Zweibeiner diese. Aber was für Regeln ich bei diesen habe, möchte ich sie einmal beobachten, davon berichte ich euch beim nächsten Mal, denn heute sollte es ja erst einmal ausschließlich um mich als Lebensretterin gehen.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon anderen Tieren oder sogar Menschen das Leben gerettet? Dann schreibt mir doch in die Kommentare oder per Mail, ich bin auf eure Erzählungen gespannt. ;-)

Wuff Wuff und ein hundestarkes Wochenende wünscht euch eure Chilli