Dienstag, 16. August 2016

Agility mal anders


Agility, die Sportart, welche aus England zu uns herüberschwappte und Führigkeit, Geschicklichkeit und Schnelligkeit in harmonischer Teamarbeit von Hund und Halter erfordert. Wie vereinbart sich dies nun mit einem Boerboel? Davon möchte ich euch heute etwas näher berichten.





Das ein Boerboel nun nicht zu jenen Hunden gehören, welche für diese Sportart leben, versteht sich allein beim Betrachten seines kräftigen und teils massigen Körperbaus, mal ganz davon abgesehen, dass er nicht im Geringsten dafür gezüchtet wurde, denn wie bereits in folgenden zwei Blogbeiträgen beschrieben klick hier und hier, ist der Boerboel ein sehr wachsamer, reaktionsschneller, selbstbewusster, dominanter und territorial, eigenständig handelnder Wach- und Schutzhund, welcher seine Aufgabe vor allem darin sieht, sein Rudel/Familie zu beschützen. Ebenso benötigt der Boerboel nicht diese Art und das Pensum an Kopfarbeit, wie es beispielsweise beim Border Collie oder dem Australian Shepherd der Fall ist. Da mein Opa mit seinen beiden Collies hobbymäßig diesen Sport betreibt, ist Agility auch mir kein Fremdwort. Ab und zu bin ich also auch mit Chilli, rein zum Spaß an der Freude und ohne korrekte Turnierregeln, mal einen Parcours mitgelaufen und sie hatte wahnsinnig viel Freude daran.
Hindernisse wie der Laufsteg oder die A – Wand bereiteten ihr zu Anfang Angst, war sie damals auch noch nicht der charakterstarke Hund, zu welchem sie sich mittlerweile entwickelt hat. Kleine Trainingseinheiten an diesen Hindernissen halfen Chilli damals nicht nur die Vertrauensbasis zu mir zu stärken, sondern auch Vertrauen zu sich selbst wieder zu fassen. Da ich mit meinem Opa und deren Collies + Chilli zu Zeiten auf den Platz ging, an denen keine anderen Hunde da waren, konnte ich absolut frei und auf spielerische Art und Weise mit Chilli daran arbeiten. Auf den Laufsteg traute sie sich nach einigen Leckerchen und gutem Zureden hinter den Collies hinterher, auf die A – Wand dagegen kletterte ich selbst mit empor. Damals verfiel weder mein Opa noch ich dem Gedanken, dieses mit Videoaufnahmen oder ein paar Bildern festzuhalten, heute dagegen trauere ich dem schon etwas nach, da dies wunderschöne Erinnerungen gewesen wären, welche Chilli´s Entwicklung vom einst so schüchternen, zurückhaltenden und zum Teil nix kennenden Boerboel – Mädchen zur heute taffen, selbstsicheren und abenteuerlustigen Boerboel – Hündin festgehalten hätten. Erinnerungen und Bilder, welche ich tief im Herzen trage, über welche ich heute noch schmunzeln muss, sehe ich sie vor meinem inneren Auge, aber leider nicht mit euch teilen kann. Wenn ich meine Räubertochter heute so betrachte, welche alles erkunden muss und auf seine Kletter- und Aussichtsnutzung testet, kann ich manchmal selbst nicht glauben, wie stark sie sich eigentlich verändert hat.  

   


      


Mittlerweile haben wir auf unserem eigens miterbauten Hundeplatz zahlreiche eigene und z.T. auch liebevoll selbsterbaute Agilitygeräte und obwohl unsere Tierärzte mir schon mehr als einmal versichert haben, dass Chilli wieder nach Belieben Klettern und Springen darf, bin ich seit ihrem schweren Unfall und den anschließenden TPLO – Operationen vorsichtig geworden, sodass ich sie auf dem Platz auch nie mehr als 2 bis 3 Runden laufen lasse und die Hürden zum Darüberspringen auch nicht bis aufs Maximum ausgedehnt sind.

Was uns beiden aber noch mehr Freude bereitet als die Parcoure auf dem Platz ist, wenn wir in der Natur selbst kreativ werden dürfen und uns sozusagen unsere eigenen Parcoure erstellen dürfen. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht und nicht einfach stur seine Gassirunde mit seinem Hund abläuft, der entdeckt ständig neue Baumstämme, Brücken, Geländer, Säulen, Mauern… welche zum Klettern, Hindurchkriechen, Darüberspringen, Slalom laufen oder einfach mal das darum herumschicken des Hundes genutzt werden können. Unser bisher tollstes Naturhindernis haben wir jedoch vergangene Woche gefunden. Dürfen wir euch vorstellen:

Unser Tunnel – Kletterbaum


Zugegeben habe ich auf den ersten Blick nicht einmal erkannt, dass dieser Baum tatsächlich ein so großes Loch an der Stelle der Wurzeln aufweist, dass sogar Chilli, welche ja nun wirklich nicht gerade die kleinste und schmalste Hündin der Hundewelt ist *grins*, dadurch passt. Ich ließ Chilli also aus einiger Entfernung absetzen und versteckte Leckerchen an der geöffneten Baumseite, sodass Chilli diese entweder durch Männchen machen oder Hochspringen auf den Baum erreichen sollte. Ja und dann staunte ich nicht schlecht, als sie einmal um den Baum herumschnüffelte und von unten, durch das Loch in den Wurzeln, nach oben geklettert kam.

Die Wanderrunde, auf welcher wir unseren Tunnel – Kletterbaum entdeckt haben, zählte ab sofort zu einer unserer Lieblingsrunden und eigentlich ist es zu schade, dass wir diesen nicht auf unseren Hundeplatz bekommen. Das wäre doch wirklich mal ein absolutes Highlight eines jeden Hundeplatzes, oder? Zumal wir einige Hunde im Verein haben, welche aus keiner guten Haltung kommen, teils sogar von der Straße und für welche schon so ein Naturhindernis eine absolute Herausforderung und gute Sache zum Üben und sich Ausprobieren wäre. Auch unseren derzeitigen Pflegehund Monki haben wir unser neues Allrounder – Naturhindernis gezeigt und auch er hatte seine Freude beim Erkunden und sich Austesten daran.










Wie handhabt ihr das so? Probiert ihr euch selbst gerne an Hindernissen in der Natur aus, oder lauft ihr da stets nur Gassi, ohne besonderes Beschäftigungsprogramm und absolviert dieses dann lieber Zuhause in den eigenen 4 Wänden oder im Hundesportverein?